
Innovation und Kooperation in Heilbronn
Während die USA und China in puncto KI auf Geschwindigkeit und Kommerzialisierung setzen, liegt die europäische Stärke in einem wertebasierten und menschenzentrierten Ansatz. «Wir müssen grösser denken», fordert Jana Strattner vom Innovation Park Artificial Intelligence (EPI) in Heilbronn. «Alle Player müssen sich offen austauschen können in einem interdisziplinären Raum.» Synergien seien notwendig, um in Zukunft wettbewerbsfähig zu sein, betont auch ihr Kollege Tim Roder. Der EPI setzt genau dort an. Der brandneue Innovationshub, der sich aktuell in der Bauphase befindet, soll europäisches Zentrum werden für angewandte AI-Technologie und wertvolle Talente anziehen.
Werte sind Europas USP
Der europäische Ansatz zeichnet sich durch Regulierung und ethische Richtlinien aus. Durch Werte wie Datenschutz und Transparenz kann sich der Kontinent vom globalen Wettbewerb abheben. Entsprechend wies Andreas Jagusch vom KI-Unternehmen Aleph Alpha auf die Bedeutung eines rechtlichen Rahmens für KI-Nutzung und souveräne Datenstrukturen hin. Dies sei Voraussetzung, um lokale Wertschöpfung zu ermöglichen. Die Aufgabe ist eine gesamtgesellschaftliche: «Die Menschen müssen verstehen, was mit ihren Daten geschieht. Dazu braucht es vertrauenswürdige Technologien und Unternehmen, die verantwortungsvoll damit umgehen.»
Wie KI echten Mehrwert bieten kann
Auch in Heilbronn ist man der Überzeugung, dass es umfassende Bildungsarbeit und gesellschaftlichen Diskurs braucht: «Das nachhaltigste Transformationswerkzeug ist Bildung», so Roder. Das EPI verfügt deshalb über ein grosses Besucherzentrum und diverse Formate, in denen sich die Bevölkerung sich mit Künstlicher Intelligenz auseinandersetzen kann. «literacy» ist entscheidend: Es geht nicht nur um die Heranbildung neuer Talente und die gesellschaftliche Unterstützung des enormen Umwälzungsprozesses, sondern auch darum, gleiche Zugangschancen zu schaffen. Mit einer informierten Gesellschaft, findigen Unternehmern und wertebasierter Policy können KI-Lösungen auf konkrete Probleme – etwa hinsichtlich der Klimakrise oder des demografischen Wandels – angewandt werden.
Ein später, aber entscheidender Einstieg
Trotz des Vorsprungs von USA und China sehen die Expert:innen Chancen für Europa. «Wir sind spät dran, aber wir haben viel Expertise und müssen diese übersetzen in kreative Ideen für sinnvolle Anwendungen von Künstlicher Intelligenz», betont Roder. Strattner ruft zu mehr Mut und Unternehmertum auf: «Wir müssen als Kontigent mehr ausprobieren und dürfen uns nicht von Angst hemmen lassen.» Der Fokus auf angewandte KI, verbunden mit sinnvoller Regulierung, die den Menschen ins Zentrum rückt, könnte Europa zu einem Vorreiter machen.