
Meinungsbeitrag von Marcel Stalder, CEO Chain IQ Group AG und Präsident von Lucerne Dialogue
Treibende Kraft hinter den heutigen Verwerfungen ist der fundamentale Wandel der globalen Ordnung: Mit dem Aufstieg Chinas, der daraus resultierenden Rivalität mit den Vereinigten Staaten und einem erstarkenden Nationalismus, der die staatliche Souveränität überinternationale Zusammenarbeit stellt – von «America First» über «China 2030»bis Brexit –, bewegen wir uns weg von multilateraler Kooperation hin zu einem multipolaren, machtgetriebenen System. Eine kleine Zahl dominanter Akteure –allen voran die USA, China, Indien und Russland – gestaltet die globale Dynamik zunehmend nach ihren eigenen Interessen.
Im Zuge dieses Wandels sind Konflikte nichtmehr regional begrenzt, sondern miteinander verwoben. Der Krieg in Osteuropaerschüttert Nahrungsmittelmärkte weltweit, Spannungen im Indopazifik formenLieferketten um, und Instabilität im Nahen Osten erschüttert die Energiemärkte mit Auswirkungen auf die globalen Finanzsysteme. Jeder Schock verstärkt die anderen, weil kein übergreifendes Rahmenwerk mehr existiert, das sie einzudämmen vermag.
Im Zentrum der heutigen Turbulenzen steht die künstliche Intelligenz – nicht als flüchtiger Trend, sondern als historischeZäsur in der Funktionsweise der Welt. Wir haben das Zeitalter statischerWerkzeuge hinter uns gelassen und sind in eine Ära eingetreten, die von globalen Informationsströmen definiert wird. Heute stehen wir am Beginn des Zeitalters der Intelligenz: einer systemischen Transformation, in der KI keine lokale Ressource mehr ist, sondern eine planetare Kraft. Sie durchdringt jedenLebens- und Wirtschaftsbereich – von der Tiefsee bis in den Erdorbit – und entwickelt sich schneller, als es ein regulatorischer Rahmen je einholen könnte. Die Menschheit hat ausserordentliche Fähigkeiten gewonnen, doch fehlen ihr noch immer die gemeinsamen Regeln und das gegenseitige Vertrauen, um eineKraft zu lenken, die mit beispielloser Geschwindigkeit operiert.
Ebenso folgenreich sind die sozialenSpaltungen: Informationsflüsse werden nicht mehr von traditionellenInstitutionen kuratiert, sondern von Algorithmen, Emotionen und Narrativen geprägt. Die Folgen sind schwindendes Vertrauen, zunehmende Polarisierung und wachsende Frustration – beschrieben als «wütende Gesellschaft». Sozialen Medien und dem digitalen Raum fehlt die Rechenschaftspflicht der physischen Welt.Plattformen spiegeln diese Dynamiken nicht bloss wider, sie verstärken sie, indem sie Engagement über Wahrheit stellen. Um dem entgegenzuwirken, müssen für die Online-Welt dieselben Standards gelten wie für die Offline-Welt: Meinungen im digitalen öffentlichen Raum müssen zuordenbar sein, geistiges Eigentum muss geschützt werden, und die Muster algorithmischer Beeinflussung müssen transparent gemacht werden. Eine gemeinsame Grundlage objektiver Fakten ist keine technische Anforderung – sie ist das Fundament der Demokratie und stellt sicher, dass Fakten, nicht Emotionen, unsere kollektiven Entscheidungen leiten.
Der Klimawandel übt auf all dies zusätzlichen strukturellen Druck aus. Er ist kein Umweltproblem neben anderen, sondern ein systemischer Risikoverstärker, der Migration, Infrastruktur, Landwirtschaft und wirtschaftliche Stabilität neu gestaltet – und unter den Bedingungen geopolitischer Fragmentierung massive Investitionen erfordert.
In diesem Umfeld werden Komplexität undUmbruch zum prägenden Merkmal. Risiken sind weder linear noch vorhersehbar. In den Finanzmärkten ist dieser Effekt besonders sichtbar: Preise werden weniger durch Fundamentaldaten bestimmt als durch Narrative, Erwartungen und dasVerhalten dominanter Akteure. Kapital bewegt sich schneller, als politischeSysteme reagieren können, und Krisen sind keine Ausnahmen mehr, sondern systemimmanente Merkmale.
Die strategische Schlussfolgerung für Europa und die Schweiz ist klar: Resilienz löst Effizienz als zentrales Paradigma ab, denn die alte Logik der Optimierung auf Effizienz und Stabilität greift nichtmehr. Gefordert ist nun die Fähigkeit, unter anhaltendem Druck zu bestehen –schlankere Strukturen, agilere Organisationen, robuste Lieferketten, in denen klassisches Offshoring durch «Friendshoring» ergänzt wird, sowie eine straffereKostendisziplin, die als Strategie angelegt ist und nicht nachträglich aufgesetzt wird. Resilienz ist nicht mehr defensiv. Sie ist wettbewerbsentscheidend und muss proaktiv angegangen werden. Doch Resilienz allein genügt nicht – sie muss mit einem echten Streben nach wirtschaftlicher und militärischer Stärkeverbunden sein, getragen von der Bevölkerung durch ein Regierungssystem, das die gesellschaftliche Realität widerspiegelt.
Europa wurde als Friedensprojekt gegründet. Nach den Verwüstungen des 20. Jahrhunderts war die Integrationslogik aufEinheit durch gemeinsame Institutionen ausgerichtet – auf das Verbindende statt das Trennende. Diese Logik war für ihre Zeit überaus erfolgreich und weise, doch für unsere Zeit reicht sie nicht mehr aus. Denn jahrzehntelang ruhte die europäische Strategie auf der Überzeugung, dass die Macht der Werte genügen würde: dass Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit und soziale Gerechtigkeit eine eigenständige geopolitische Währung darstellten.
Diese Werte bleiben unverzichtbar – doch in einer Welt, die von Wettbewerb und Machtpolitik neu definiert wird, reicht diese Überzeugung allein nicht mehr aus. Europa hat starke Werte – aber Europa hat den Wert von Macht vergessen. Die Realität lautet: Der Wert der Macht muss nun die Macht der Werte ergänzen. Ohne die Fähigkeit, entschlossen zu handeln –militärisch, wirtschaftlich, technologisch –, lassen sich Werte nicht verteidigen. Dies ist kein Plädoyer für die Aufgabe europäischer Grundsätze, sondern ein Plädoyer dafür, ihnen Durchsetzungskraft zu verleihen.
«Europa hat starke Werte – aber Europa hat den Wert von Macht vergessen.»
Diese Verschiebung von abstrakten Werten zu konkreter Stärke gilt vor allem für die wirtschaftliche Dimension – denn ohne wirtschaftliche Stärke ist keine andere Form von Macht nachhaltig. Europa hat schrittweise an Wettbewerbsfähigkeit eingebüsst. Während andere Regionen aggressiv in Innovation, digitale Infrastruktur und industriellen Wandelinvestiert haben, hat Europa häufig Regulierung und sozialen Ausgleich priorisiert. Beides hat seine Berechtigung, doch das Gleichgewicht hat sich zu weit verschoben. Produktivität, Innovation und unternehmerische Dynamik müssen wieder ins Zentrum europäischer Politik rücken. Das Gebot der Stunde ist klar:Europa muss zurück zum Wirtschaften – denn das Rückgrat jedes ernsthaften geopolitischen Akteurs ist seine wirtschaftliche Stärke.
«Back to business: Das Rückgrat jeder Grossmacht ist ihre wirtschaftliche Stärke.»
Wirtschaftliche Dynamik kann jedoch unter dem gegenwärtigen institutionellen Gewicht nicht gedeihen. Europa steht heute vor einem Paradox: zu viel Zentralisierung in den falschen Bereichen, zu wenig in den richtigen. Die Bürgerinnen und Bürger erleben die EU als ferne Bürokratie, während die Union in den Bereichen, in denen kollektives Handeln am meisten zählt – Aussenpolitik, Verteidigung, Energie –, fragmentiert bleibt. Europa gibt mehr für Verteidigung aus als China, erzielt damit aber nur einen Bruchteil der strategischen Wirkung. [1][2] Das Problem ist nicht mangelnde Ressourcen, sondern fehlender Mut und fehlender Wille, als geeinte Kraft zu handeln.
Die Lösung liegt daher nicht in mehrZentralisierung, sondern in einer klügeren Aufgabenteilung. Europa muss –ähnlich wie die Schweiz – nur dort gemeinsam handeln, wo es unabdingbar ist: in der Aussen- und Sicherheitspolitik, der Verteidigung, der Energie und imBinnenmarkt. Die Sozialpolitik sollte den Mitgliedstaaten und ihren Bürgern überlassen bleiben, damit kulturelle Identitäten erhalten werden können. Eine notwendige Rückbesinnung auf die Gesellschaft bedeutet, dass die EU – wie jede resiliente, beständige politische Einheit – nur funktionieren kann, wenn sie die Realität ihrer Bevölkerungsstruktur widerspiegelt: durch Würdigung vonVielfalt, nicht durch ihre Einebnung. Europa ist kein Nationalstaat. SeineStärke liegt in seinen unterschiedlichen Geschichten und Traditionen –vorausgesetzt, diese werden als echtes Fundament des europäischen Projekts respektiert.
«Back to society: Das Regierungssystem jeder resilienten, dauerhaften politischen Einheit muss die Struktur seinerBevölkerung widerspiegeln – für Europa bedeutet das Föderalismus und Subsidiarität, nicht Zentralismus.»
Ein weiteres kritisches Problem Europas ist die Führungs- und Entscheidungsfähigkeit. Als Erbe des Friedensprojekts sindEntscheidungsprozesse konsens orientiert und langsam. In einer Welt des schnellen Wandels wird dies zum strategischen Nachteil. Eine stärkere Führung –insbesondere durch Schlüsselländer wie Deutschland und Frankreich, die im europäischen Rahmen besondere Verantwortung tragen – ist notwendig, umIntegration und Reform voranzutreiben.
Gleichzeitig muss Europa seine geopolitischeRolle neu definieren. Es kann sich nicht länger auf externeSicherheitsgarantien verlassen und von den Vereinigten Staaten abhängig bleiben– die Ära nach dem Zweiten Weltkrieg ist vorbei. Die Frage lautet aber nicht:entweder transatlantisches Bündnis oder Isolation. Es gibt einen dritten Weg:strategische Souveränität, gestützt auf eine starke Wirtschaft, eine starkeVerteidigungsfähigkeit und eine Koalition aus EU, Kanada und anderen kooperativen G20-Demokratien, um bei Bedarf unabhängig handeln zu können. Dieser öffnet die Möglichkeit, das Vereinigte Königreich als europäischeNuklearmacht zumindest in verteidigungs- und sicherheitspolitischer Hinsicht wieder enger an die EU zu binden.
«Der dritte Weg: Europa muss durch eine Koalition aus EU, Kanada und kooperativen G20-Demokratien autonomer vom traditionellen transatlantischen Bündnis werden.»
Schliesslich muss Europa seinen innerenZusammenhalt wiederherstellen. Soziale Polarisierung, wirtschaftlicheUngleichheit sowie zunehmender Populismus und Nationalismus gefährden dieUnion. Die Herausforderung besteht darin, wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit mit sozialer Stabilität und Integration mit demokratischer Legitimität inEinklang zu bringen – der politische Wandel in Ungarn könnte ein Anfang sein.
Die Frage ist nicht mehr, ob Europa sich transformieren muss. Die Frage ist, ob Europa diese Transformation selbst wählt– oder darauf wartet, dass die Wahl für es getroffen wird.
Die Schweiz gilt seit Langem alsErfolgsmodell, das politische Stabilität, wirtschaftliche Stärke und sozialenZusammenhalt vereint. Ihr dezentrales System, ihre starken Institutionen und ihre Offenheit gegenüber den Weltmärkten haben eine der wohlhabendstenGesellschaften der Erde hervorgebracht. Dennoch ist die Schweiz nicht immun gegen die strukturellen Veränderungen, die Europa und das globale System erfassen. In vielerlei Hinsicht befindet sie sich auf derselbenEntwicklungsbahn wie die Europäische Union – nur mit einem zeitlichen Abstand.
Eine der besorgniserregendsten Tendenzen ist die schrittweise Hinwendung zu einer zunehmend binnenwirtschaftlich ausgerichteten und staatsgetriebenen Ökonomie, die die traditionellen Stärkender Schweiz untergräbt. Der am schnellsten wachsende Sektor ist derVerwaltungssektor, während die öffentlichen Ausgaben rascher steigen als diePrivatwirtschaft. Zudem gefährden wir das Rückgrat der Schweizer Wirtschaft –Branchen wie den Finanzsektor oder die Pharmaindustrie –, indem wir global tätigen Unternehmen mit Schweizer Sitz nationale Regulierungen aufbürden, die ihnen gegenüber internationalen Wettbewerbern die Hände binden.
Gleichzeitig ist die Schweiz alsExportwirtschaft auf internationalen Handel angewiesen – doch die Debatte über ihre Beziehung zur EU spiegelt tiefere gesellschaftliche Spannungen wider. Eingrosser Teil der Schweizer Bevölkerung ist weder klar pro- noch klar anti-europäisch, weil Komplexität und konkurrierende Narrative es denBürgerinnen und Bürgern aufrichtig schwer machen, klare Positionen zu fassen.Während die EU oft als «bürokratischer Koloss» dargestellt wird, legen offizielle Statistiken ein anderes Bild nahe: Ihre Verwaltung, die 450 Millionen Menschen bedient, ist in ihrer Grösse mit dem öffentlichen Sektor desKantons Zürich vergleichbar. [3][4] Ebenso wichtig: Die Schweiz ist kein kleinesLand gegenüber einer übermächtigen EU – gemessen an den 27 EU-Mitgliedstaaten ist sie die sechstgrösste Volkswirtschaft, und die Hälfte der EU-Mitglieder hat weniger Einwohner als die Schweiz.
Der strategische Imperativ ist gleichwohl klar. Der Wohlstand der Schweiz hängt von offenen Märkten und stabilenWirtschaftsbeziehungen ab. Der Zugang zum europäischen Binnenmarkt ist keineOption – er ist für beide Seiten unverzichtbar. Die Schweiz bleibt der viertgrösste Handelspartner der EU, und die EU ist mit Abstand der wichtigste der Schweiz. Der Weg vorwärts liegt nicht in der Wahl zwischen Europa und derWelt, sondern darin, beides mit gleicher Entschlossenheit zu verfolgen: dieBeziehung zur EU durch das Bilaterale III-Abkommen zu sichern und gleichzeitig die Handelsbeziehungen weltweit zu vertiefen. Das ist kein Widerspruch, sondern eine Notwendigkeit. In einer vernetzten Welt beruht Unabhängigkeit aufVernetzung, nicht auf Isolation – Souveränität entsteht durch Beziehungen, nicht trotz ihnen.
«Die Schweiz sollte Unabhängigkeit nicht mit Isolation verwechseln.»
Um dies zu erreichen, muss die Schweiz – wie das übrige Europa – ihren Fokus verschieben. Das Ziel lautet, weg von einer primären Abhängigkeit von makroökonomischen Instrumenten und zurück zu mikroökonomischen Grundlagen: Produktivität, Innovation, Infrastruktur undBildung. Nur durch die Stärkung dieser Säulen lässt sich eine tragfähige makroökonomische Strategie aufbauen.
Gleichzeitig muss die Schweiz in ihre eigene Resilienz investieren – von der Modernisierung der Streitkräfte und derErhöhung der Verteidigungsausgaben bis zur Vertiefung derSicherheitskooperation. In einer Welt verhärtender geopolitischer Fronten muss die traditionelle Neutralität neu kalibriert werden. Sicherheitskooperation – mit europäischen Partnern und internationalen Institutionen – ist keineEinschränkung der Souveränität mehr, sondern ihre Voraussetzung.
Schliesslich bleibt das institutionelleVertrauen, das die Schweiz seit Langem von den meisten ihrer Nachbarn unterscheidet, ein echter Aktivposten – doch es steht unter Druck, wie überall.Es zu bewahren erfordert Transparenz, demokratische Legitimität und dieBereitschaft, schwierige Entscheidungen offen zu treffen. Auch das gehört zum Schweizer Modell, das es zu verteidigen gilt.
Europa und die Schweiz treten in eine neueÄra ein – eine Ära, die nicht von Stabilität geprägt ist, sondern von kontinuierlichem Wandel. Die Strukturen, die jahrzehntelang Stabilität gewährleisteten – multilaterale Ordnung, transatlantische Sicherheitsgarantien, effiziente globale Lieferketten, institutionelles Vertrauen –, stehen gleichzeitig unter Druck. In diesem Umfeld wird Resilienz zum zentralenBegriff. Es geht nicht bloss um die Fähigkeit, Schocks standzuhalten, sondern um die Kapazität, unter anhaltendem Druck zu adaptieren und zu bestehen. Zulange ist eine unverhältnismässige Orientierung an sozialem Wohlergehen und dasJagen nach dem Zeitgeist auf Kosten des europäischen und schweizerischenWohlstands gegangen. Die Ära des Wohlergehens als Strategie ist vorbei.Wohlergehen ist das Ergebnis – Wohlstand, Stärke und der Wille zum Handeln sind der Weg. In dem Moment, in dem diese Unterscheidung verloren geht, beginnt derNiedergang – still und mit wachsender Beschleunigung.
«Wohlergehen ist keine Strategie, bestenfalls ein Ergebnis.»
Am Ende ist nicht die Struktur der entscheidende Faktor, sondern die Haltung. Es ist Zeit, mit der Dringlichkeit zu handeln, die der Moment verlangt – in einer Welt, die nicht wartet: FürEuropa bedeutet dies, sich von einem Friedensprojekt zu einer strategischenMacht in einer multipolaren Welt zu wandeln. Für die Schweiz als Exportnation bedeutet es, den Zugang zu internationalen Märkten zu sichern undUnabhängigkeit auf der Grundlage von Vernetzung statt Isolation zu verteidigen– zwischen Werten und Macht navigierend.
Marcel Stalder ist CEO der Chain IQ Group AG und Präsident von Lucerne Dialogue. Er verfügt über langjährige internationaleErfahrung in globalen Dienstleistungsunternehmen und fundierte Kenntnisse inStrategie- und Geschäftsentwicklung, digitaler Transformation sowie Risiko- und Lieferkettenmanagement. Stalder qualifizierte sich in den USA als Wirtschaftsprüfer und studierte an der Fachhochschule Luzern. 2016 und 2017 wurde er vom Wirtschaftsmagazin «Bilanz» als einer der wichtigsten Digital Shapers der Schweiz ausgezeichnet.
[1] https://www.reuters.com/world/china/china-maintains-defence-spending-increase-72-2025-03-05/ (abgerufen am 17. April 2026)
[2] https://www.consilium.europa.eu/en/policies/defence-numbers/ (abgerufen am 17. April 2026)
[3] https://commission.europa.eu/document/download/c3bb9686-ac0a-45d4-9231-e7c9607deb74_en?filename=HR-Key-Figures-2025_en.pdf (abgerufen am 17. April 2026)
[4] https://www.zh.ch/bin/zhweb/publish/regierungsratsbeschluss-unterlagen./2025/561/RRB-2025-0561_Berichterstattung%20Personalf%C3%BChrungskennzahlen%202024.pdf

Opinion piece by Marcel Stalder, CEO of Chain IQ Group AG and President of Lucerne Dialogue
A key driver of today's disruption is the fundamental change in the global order: With the rise of China, the resulting rivalry with the United States, and the increasing nationalism placing national sovereignty above international cooperation, such as "America First", "China 2030", and "Brexit", we are moving away from multilateral cooperation toward a multipolar, power-driven system. A small number of dominant actors – most notably the United States, China, India, and Russia – are increasingly shaping global dynamics.
As the old world order is changing, conflicts are no longer regional, they are interconnected. War in Eastern Europe affects food markets worldwide, tensions in the Indo-Pacific reshape supply chains, and instability in the Middle East impacts energy markets globally, reverberating across financial systems. Each shock amplifies the others because there is no longer a unified framework to contain them.
At the center of today's turbulence stands artificial intelligence – not as a fleeting trend, but as a historic shift in how the world works. We have moved from an age of static tools to an era defined by global information flows. Today, we have entered the era of intelligence: a systemic transformation where AI is no longer a localized resource, but a planetary force. It permeates every sector of life and the economy – from the deep sea to orbital space – evolving faster than any regulatory framework can follow. Humanity has gained extraordinary capabilities, yet we still lack the shared rules and trust to govern a force that operates with such unprecedented speed.
Equally consequential are social divides: Information flows are no longer curated by traditional institutions but shaped by algorithms, emotions, and narratives resulting in declining trust, increasing polarization, and rising frustration, often described as "angry society". Social media and the digital sphere are lacking the accountability of the physical world. Platforms do not merely reflect these dynamics, they amplify them by prioritizing engagement over truth. To address this, we must establish the same standards for the online world as we have offline: Opinions in the digital public square must be identifiable, intellectual property protected, and the patterns of algorithmic influence made transparent. A shared foundation of objective facts is not a technical requirement – it is the backbone of democracy, ensuring that facts, rather than emotions, drive our collective decisions.
Climate change adds structural pressure to all of this. It is not an environmental issue alongside the others, it is a systemic risk multiplier that reshapes migration, infrastructure, agriculture, and economic stability – requiring massive investment under conditions of geopolitical fragmentation.
In this environment, complexity and upheaval become the defining feature. Risks are no longer linear or predictable. In financial markets, this effect is particularly visible: Prices are driven less by fundamentals and more by narratives, expectations, and the behavior of dominant actors. Capital moves faster than political systems can react, and crises are no longer exceptions but inherent features of the system.
The strategic implication for both Europe and Switzerland is clear: Resilience replaces efficiency as the central paradigm, as the old logic of optimizing for efficiency and stability no longer holds. What is required now is the capacity to perform under sustained pressure – leaner structures, more agile organizations, robust supply chains with offshoring being complemented by "friendshoring", as well as tighter cost discipline built into strategy rather than added as an afterthought. Resilience is no longer defensive. It is competitive and must be tackled proactively. Yet resilience alone is not enough – it must be paired with a genuine drive toward economic and military strength, supported by the population through a governmental system mirroring the societal structure.
Europe was built as a peace project. After the devastation of the 20th century, the logic of integration was unity through shared institutions, emphasizing commonality over division. That logic was highly successful and wise for its time, yet it is no longer sufficient for ours. This is because for decades, European strategy rested on the conviction that the power of values would be sufficient: that human rights, the rule of law, and social justice would constitute a geopolitical currency in their own right.
While these remain essential, in a world redefined by competition and hard power, that conviction alone is no longer enough. Europe has powerful values – but Europe has forgotten the value of power. The reality is that the value of power must now complement the power of values. Without the ability to act decisively – militarily, economically, technologically – values cannot be defended. This is not an argument for abandoning European principles, it is an argument for giving them teeth.
“Europe has powerful values – but Europe has forgotten the value of power.”
This shift from abstract values to tangible strength applies above all to the economic dimension – because without economic strength, no other form of power is sustainable. Europe has gradually lost competitive ground. While other regions have aggressively invested in innovation, digital infrastructure, and industrial transformation, Europe has often prioritized regulation and social balancing. Both matter, but the balance has tilted too far. Productivity, innovation, and entrepreneurial dynamism must return to the center of European policy. The mandate is clear: Europe must get back to business, as the backbone of any serious geopolitical actor is its economic strength.
“Back to business: The backbone of every superpower is its economic strength.”
However, economic dynamism cannot flourish under the current institutional weight. Today, Europe faces a paradox: too much centralization in the wrong areas, and too little in the right ones. Citizens experience the EU as a distant bureaucracy, yet in domains where collective action matters most –foreign policy, defense, energy – the Union remains fragmented. Europe spends more on defense than China, but with a fraction of the strategic impact. [1][2] The problem is not resources, it is the courage and will to act as a unified force.
The solution, therefore, is not more centralization, but a smarter allocation of responsibility. Europe, similar to Switzerland, must act collectively only where indispensable – foreign policy, defense, energy, and the single market – while leaving social policy to member states and their citizens, allowing cultural identity to be preserved. A necessary move back to society means that the EU, as any resilient, enduring political entity, can only function if it reflects the nature of its population structure, which means honoring diversity rather than absorbing it into uniformity. Europe is not a nation-state: Its strength lies in its distinct histories and traditions, provided they are genuinely respected as the foundation of the European project.
“Back to society: The governmental system of any resilient, enduring political entity must reflect its underlying population structure – for Europe this means federalism and subsidiarity, not centralism.”
Another critical issue for Europe is leadership and decision-making capacity. Given the peace project legacy, decision-making processes are consensus-driven and slow. In a world of rapid change this becomes a strategic disadvantage. Stronger leadership – particularly from key countries such asGermany and France which carry particular responsibility within the European framework – is necessary to drive integration and reform.
At the same time, Europe must redefine its geopolitical role. It can no longer rely on external security guarantees and depend on the United States –the post-World War II era is over. However, the question is not either transatlantic alliance or isolation – there is a third way: strategic sovereignty based on a strong economy, strong defense capability, and a coalition centered on the EU, Canada, and other cooperative G20 democracies in order to act independently when necessary. This opens an opportunity tore-associate the UK as a European nuclear power to the EU, at least from a defense and security policy perspective.
“The third way: Europe must become more autonomous from the traditional transatlantic alliance through a coalition centered on the EU, Canada, and cooperative G20 democracies.”
Finally, Europe must rebuild internal cohesion. Social polarization, economic inequality, and increasing populism and nationalism threaten theUnion. The challenge is to balance economic competitiveness with social stability and integration with democratic legitimacy – the political change inHungary could be a start.
The question is no longer whether Europe needs to transform. It is whether Europe will choose to do so, or wait until the choice is made for it.
Switzerland has long been seen as a model of success, combining political stability, economic strength, and social cohesion. Its decentralized system, strong institutions, and openness to global markets have created one of the most prosperous societies in the world. Yet Switzerland is not immune to the structural changes affecting Europe and the global system. In many ways, it is on the same trajectory as the European Union – only with a time lag.
One of the most worrying trends is a gradual shift toward an increasingly Swiss-centric and state-driven economy, undermining Switzerland’s traditional strengths. The fastest-growing sector in Switzerland is the administrative sector, while public spending is increasing more rapidly than the private sector. In addition, we are putting the backbone of the Swiss economy – industries such as financial services or the pharmaceutical industry– at risk by imposing national regulations on Switzerland-based companies that operate globally and require a level playing field with their international competitors.
At the same time, Switzerland, as an export economy, depends on international trade, yet the debate about its relationship with the EU reflects broader societal tensions. A large portion of the Swiss population is neither clearly pro- nor anti-European trade agreement, as complexity and competing narratives have made it genuinely difficult for citizens to form clear positions. While the EU is often depicted as a “bureaucratic colossus”,official statistics suggest otherwise: Its administration, serving 450 million people, is comparable in size to the public sector of the Canton of Zurich. [3][4] Equally important, Switzerland is not a small country vis-à-vis a huge EuropeanUnion: Compared to the 27 EU member states, it is the sixth largest economy, and half of the EU members have a smaller population than Switzerland.
The strategic imperative, however, is clear. Switzerland’s prosperity depends on open markets and stable economic relationships. Access to theEuropean single market is not optional – it is critical for both sides, asSwitzerland remains the EU’s fourth-largest trading partner, and the EU is by far Switzerland’s most significant. The path forward lies not in choosing between Europe and the world, but in pursuing both with equal conviction:securing the relationship with the EU through the Bilateral III framework while simultaneously deepening trade ties globally. This is not a contradiction but a necessity. In an interconnected world, independence relies on connectivity, not isolation, as sovereignty is built through relationships, not despite them.
“Switzerland should not confuse independence with isolation.”
To achieve this, Switzerland – much like the rest of Europe – must shift its focus. The goal is to move away from a primary reliance on macro-economic instruments and return to micro-economic fundamentals: productivity, innovation, infrastructure, and education. Only by strengthening these pillars can a meaningful macro-economic strategy be sustained.
At the same time, Switzerland must invest in its own resilience – from modernizing its armed forces and increasing defense spending to deepening security cooperation. In a world of hardening geopolitical lines, traditional neutrality must be recalibrated. Security cooperation – with European partners and international institutions – is no longer a compromise of sovereignty, it is a condition of it.
Lastly, the institutional trust that has long distinguished Switzerland from most of its neighbors remains a genuine asset – but it is under pressure, as it is everywhere. Preserving it requires transparency, democratic legitimacy, and the willingness to make difficult choices openly. That, too, is part of the Swiss model worth defending.
Europe and Switzerland are entering a new era – an era that is not defined by stability, but by continuous transformation. The structures that provided stability for decades – multilateral order, transatlantic security guarantees, efficient global supply chains, institutional trust – are all under simultaneous stress. In this environment, resilience becomes the central concept. It is not merely the ability to withstand shocks, but the capacity to adapt and perform under sustained pressure. For too long, a disproportionate focus on social welfare and chasing the zeitgeist have come at the expense of European and Swiss prosperity. The era of well-being as a strategy is over. Well-being is the result – prosperity, strength, and the will to act are the path. The moment that distinction is lost, decline begins quietly and accelerates fast.
“Well-being is not a strategy, it is at best a result.”
Ultimately, the defining factor is not structure, but mindset. It is time to act with the urgency the moment requires in a world that will not wait: For Europe, this means transforming from a peace project to a strategic power in a multipolar world. For Switzerland, as an export nation, this means securing access to international markets and defending independence based on connectivity rather than isolation, navigating values and power.
Marcel Stalder is CEO of Chain IQ Group AG and President of Lucerne Dialogue. He brings extensive international experience in global professional services firms and deep expertise in strategy and business development, digital transformation, and risk and supply chain management. Stalder qualified as a certified public accountant in the UnitedStates and studied at the Lucerne University of Applied Sciences and Arts. In2016 and 2017, he was named one of Switzerland's most influential DigitalShapers by the business magazine «Bilanz».
[1] https://www.reuters.com/world/china/china-maintains-defence-spending-increase-72-2025-03-05/ (abgerufen am 17. April 2026)
[2] https://www.consilium.europa.eu/en/policies/defence-numbers/ (abgerufen am 17. April 2026)
[3] https://commission.europa.eu/document/download/c3bb9686-ac0a-45d4-9231-e7c9607deb74_en?filename=HR-Key-Figures-2025_en.pdf (abgerufen am 17. April 2026)
[4] https://www.zh.ch/bin/zhweb/publish/regierungsratsbeschluss-unterlagen./2025/561/RRB-2025-0561_Berichterstattung%20Personalf%C3%BChrungskennzahlen%202024.pdf