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Bottom-up statt Top-down: Mit Wissenschaft die Demokratie stärken

Es braucht mehr öffentliche Akzeptanz für wissenschaftliche Expertise. Nicht nur durch ihre Legitimation, sondern auch durch den Dialog zwischen Politik, Forschung und Zivilgesellschaft.

Es gibt gute Gründe, das gesellschaftliche Vertrauen in die Wissenschaft zu festigen. Entscheidungsträger spielen dabei eine Schlüsselrolle, politische Rahmenbedingungen sind zentrale Werkzeuge – insbesondere im Bereich der Nachhaltigkeit. Gerade auf lokaler und regionaler Ebene lassen sich wirkungsvolle Veränderungen am besten umsetzen.

Wo Nachhaltigkeit Wurzeln schlägt

Nachhaltige Politik kann von unten wachsen: durch Umweltbildung, die Naturverständnis fest im Schulunterricht verankert, durch die Schaffung von Grünräumen, Investitionen in Parks, Renaturierung und Gemeinschaftsgärten, die Menschen mit ihrem lokalen Ökosystem verbinden. Eine emotionale Bindung zur Natur fördert die Bereitschaft, ehrgeizige Umweltziele zu unterstützen. Auch die Einbindung junger Menschen ist entscheidend: Sie sollten befähigt werden, aktiv an Naturschutz und ökologischer Verantwortung mitzuwirken.

Territorial verankerte Nachhaltigkeitspolitiken – etwa partizipative Verfahren oder Citizen-Science-Initiativen – schaffen Verbindungen zwischen der Zivilgesellschaft und wissenschaftlicher Bildung. Wissenschaft sollte ein zentrales Element evidenzbasierter Entscheidungen sein. Vertrauen in wissenschaftliche Erkenntnisse versetzt Entscheidungsträger – insbesondere in der Politik – in die Lage, auf Grundlage der besten verfügbaren Evidenz zu handeln, und schärft zugleich das Bewusstsein der Bürger:innen dafür, wie sehr Wissenschaft das tägliche Leben und das gesellschaftliche Wohl beeinflusst. Eine wissenschaftlich fundierte Politikagenda auf lokaler und regionaler Ebene trägt dazu bei, Wissen und Legitimität in die Gesellschaft zu übertragen. Das ist von grosser Bedeutung für Wissenschaftler:innen und politische Gestalter:innen, die das Vertrauen in Wissenschaft erhalten und stärken wollen.

Evidenz statt Ideologie

Deshalb plädiere ich für Entscheidungen, die auf Evidenz beruhen – nicht auf Ideologie. Dazu gehören Investitionen in Forschung und Innovation auf kommunaler und regionaler Ebene, etwa in Form von Stipendien für Wissenschaftsstudierende, die Verankerung wissenschaftlicher Beratung in kommunalen Entscheidungsprozessen, Aufklärungskampagnen gegen Desinformation sowie der sektorübergreifende Einsatz wissenschaftlicher Erkenntnisse – nicht nur im Klima- oder Nachhaltigkeitsbereich, sondern auch in Landwirtschaft, Verkehr, Stadtentwicklung und digitalem Wandel.

Wenn Europa sein volles Potenzial ausschöpfen will, muss es Innovation mit Inklusion verbinden. So kommt wissenschaftlicher Fortschritt allen Regionen und Gesellschaftsgruppen zugute. Und es muss Nachhaltigkeit mit wirtschaftlicher und technologischer Souveränität verknüpfen, indem die Abhängigkeit von importierter Energie und Rohstoffen durch grüne Technologien und Kreislaufwirtschaft reduziert wird. Nicht zuletzt liegt in der Idee gemeinsamer Werte eine grosse Kraft: Natur und Wissenschaft können Europas kulturelle Vielfalt durch gemeinsame Ziele einen.

Wissenschaftskompetenz für Bürgermeister:innen

Auf lokaler Ebene stelle ich einen konkreten Handlungsauftrag: Es braucht eine «School of Mayors for Science Literacy» (eine Schule der Bürgermeister:innen für wissenschaftliche Bildung), um die Herausforderungen zukünftiger Kommunal- und Regionalpolitik zu meistern. Eine solche Initiative würde das Engagement der Gemeinden für die Gestaltung und Umsetzung nachhaltiger Entwicklungspolitiken stärken – und den Fortschritt in Richtung der Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) beschleunigen. Wir müssen unsere Politik so gestalten, dass sie das Potenzial der Wissenschaft zur Bewältigung gemeinsamer Herausforderungen voll ausschöpft.

Wissenschaftsdiplomatie stärken

Auf europäischer Ebene braucht es eine entschlossene Wissenschaftsdiplomatie. Unsere Universitäten zählen zu den besten der Welt und verfügen über enormes Talent. Forschung und Entwicklung können jene internationalen Netzwerke schaffen, die für globale Wirkung erforderlich sind. Europa muss stärker in Wissenschaft investieren, um der attraktivste Ort der Welt für Forschung, Innovation und verantwortungsvolles Unternehmertum zu werden.

Zur Person

Ricardo Nogueira Martins

Ricardo Nogueira Martins (Luzern, 1990) ist Leiter der Abteilung für Nachhaltigkeit bei der Stadtverwaltung von Lousada in Portugal, Forscher am Forschungszentrum für Kommunikation und Gesellschaft der Universität Minho sowie regionaler Ansprechpartner für junge Fachkräfte bei der IUCN WCPA Europe. Zudem ist er Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Schweizer Nachhaltigkeitsorganisation PlusPoint.
Er verfügt über eine Executive-Qualifikation in Führungskompetenz in der öffentlichen Verwaltung der Porto Business School sowie über einen MSc in Geografie, Planung und Territorialmanagement, ein Postgraduierten-Diplom in EU-Politik und territorialer Zusammenarbeit und einen Master-Abschluss in strategischem Innovationsmanagement der Universität Minho.

Seine beruflichen und wissenschaftlichen Interessen konzentrieren sich auf EU-Politik, internationale Beziehungen, Umweltdiplomatie, territoriale Governance, Naturschutz, territoriale Zusammenarbeit, Innovation und nachhaltige Entwicklung.

Seine Expertise im Bereich der territorialen Zusammenarbeit konzentriert sich insbesondere auf die Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Politik, mit einem Schwerpunkt auf der Stärkung des Naturschutzes, des menschlichen Wohlergehens und der Innovation.

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Quellen