KI in Europa: Wie regulieren wir heute die KI von morgen?

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KI in Europa: Wie regulieren wir heute die KI von morgen?

Der AI Act soll den Einsatz von Künstlicher Intelligenz regulieren. Doch wie gelingt der Spagat zwischen Regulierung und Innovation? Ein Bericht zur Session am Annual Meeting 2023 von Viktoria Hug.

Stärkt sich Europa durch eine klare Positionierung? Oder befördert es sich ins Abseits, weil Regulierung Innovation schwieriger macht? Das ist die Spannungsachse, entlang derer ein wegweisendes Gesetzesvorhaben der EU diskutiert wird: der AI Act. Er soll regeln, wie Künstliche Intelligenz eingesetzt werden darf – zum Beispiel im Bereich der Überwachung, der medizinischen Diagnostik oder in Waffensystemen. Es wäre das weltweit erste Gesetz dieser Art.

Hendrik Remigereau ist Leiter des Merantix AI Campus in Berlin. Seit 2016 investiert Merantix in Startups, die die Entwicklung Künstlicher Intelligenz vorantreiben. Er betrachtet die Regulierung als notwendig, um einen »Wilden Westen« zu verhindern. Gleichzeitig warnt er vor einer flächendeckenden Beschränkung und den allzu starken Fokus auf Risiken: »Wir sollten auch über Möglichkeiten und Chancen sprechen«. Das schafft Unternehmergeist – und den braucht es für die Zukunft Europas.

Den Social Media Boom hat Europa verschlafen. Die Macht liegt nun in den Händen US-amerikanischer Superkonzerne. In Bezug auf Künstliche Intelligenz darf es nicht so weit kommen. Der Kontinent muss aufwachen, agiler und unternehmerischer werden, damit Startups nicht abwandern. Sonst droht weitere technologische Abhängigkeit. Europäisches Know-how wird andernorts vermarktet, in anderen Werterastern.

Wie also gelingt der Spagat zwischen Regulierung und Innovation? Sensibel regulieren heisst für Remigereau, sich auf Hochrisikobereiche zu konzentrieren: Anwendungen in der Gesundheitsbranche, in Verkehr oder Sicherheit. Verantwortlich sollen die Anwender sein, nicht die Entwickler. Entsprechend soll erst reguliert werden, wenn der Effekt einer Anwendung absehbar ist. Und dann möglichst so, dass bereits bestehende Gesetze ergänzt werden. Richtig gemacht ist Regulierung kein Nachteil: »Das Wichtigste für ein Unternehmen ist regulatorische Klarheit. So wird auch das Vertrauen in AI-Tools gestärkt.«

Gestärkt werden müssen auch Startups. »Wir haben viele Forschende, aber es fehlt der Transfer zum Gründertum«, bemängelt Remigereau. Europäische Firmen sind zögerlich, wenn es um die Finanzierung von Ideen geht. Die Folge: Junge Köpfe wandern in die USA ab, wo Firmen nicht das Risiko, sondern Chancen sehen. »Wir brauchen mehr Kapital für Ideen in der Wachstumsphase und starke Ökosysteme, durch die Startups Zugang zu Industrien haben.« Davon profitieren auch etablierte Unternehmen, die ausserhalb ihrer Bubble Innovationen von Anfang an begleiten können.

Das ist auch im grossen Kontext wichtig. Europäische Traditionsbetriebe entwickelten überwiegend Hardware wie etwa Autos, nun ist Software gefragt. Da müsse man aus der eigenen Haut rauskommen, betont Remigereau. »Unternehmen müssen sich anderen Netzwerken öffnen und Partnerschaften eingehen, statt eigene Silos aufbauen.«

Aber kann Europa überhaupt mit Playern wie OpenAI konkurrenzieren? Ja, findet Remigereau. Die Turbulenzen um CEO Sam Altman hätten gezeigt, dass OpenAI derzeit kein stabiles Unternehmen ist. Gleichzeitig arbeiten europäische Firmen bereits an eigenen Foundation Models, die als leistungsstarke Ausgangspunkte für Anwendungsformen künstlicher Intelligenz dienen.

Noch ist kaum abzusehen, auf welche Weise AI unsere Gesellschaft verändern wird. Viele Unternehmen prüfen, inwiefern sie Künstliche Intelligenz in ihre Prozesse einbauen können. Ihnen rät Remigereau, regulatorische Schritte des Gesetzgebers im Blick zu behalten. Die Regulierung wird kommen – und sie ist nötig, damit aus der Transformation durch AI keine Katastrophe wird.

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