Unsere Zukunft im Weltraum: Was ist für mich und mein Unternehmen drin?

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Unsere Zukunft im Weltraum: Was ist für mich und mein Unternehmen drin?

Hat Europa eine Chance im neu entflammten Race for Space? Wie können Unternehmen von Weltraumtechnologie profitieren? Drei Experten informieren am Annual Meeting des Lucerne Dialogue. Ein Bericht zur Session am Annual Meeting 2023 von Viktoria Hug.

Am diesjährigen Lucerne Dialogue waren gleich drei Koryphäen der Raumfahrt vertreten: Dr. Renato Krpoun (Leiter des Swiss Space Office), Daniel Neuenschwander (Leiter Erforschung von Menschen und Robotern ESA) und Prof. Dr. Thomas Zurbuchen (Leiter der Weltraumprogramme ETH, vormals Wissenschaftsleiter NASA). Unter anderem Zurbuchen und Neuenschwander ist es zu verdanken, dass das James Webb Space Telescope bald Antworten auf Fragen liefern kann, die noch nicht einmal gestellt sind.

Während das Teleskop in eineinhalb Millionen Kilometer Entfernung das All beobachtet, erläutern die Experten ihrem Publikum Schwerpunkte der internationalen Raumfahrt: die Überwachung von Wetter und Klima, die Exploration von Mineralien, die Erforschung möglicher Lebensräume. Die eingesetzte Weltraumtechnik hat auch für Unternehmen enormes Potenzial. Das ist eine Chance, denn Europa muss nicht nur wirtschaftlich stärker werden, sondern sich auch für ein neues Race for Space wappnen. »Aktuell findet eine richtungweisende geopolitische Diskussion über den Weltraum statt«, so Zurbuchen.

Doch wo steht Europa? Die grossen Player sind Russland, USA, Indien und China. China und die USA wollen bis 2030 eine Präsenz auf dem Mond etabliert haben, Indien plant bis 2035 eine eigene Raumstation. Die Europäische Raumfahrtbehörde ESA, eine Organisation mit 22 Mitgliedstaaten, ist Junior-Partnerin der NASA in deren Artemis-Programm. Ihr Jahresbudget von 7 Milliarden Euro ist fünfmal kleiner als das der NASA. Die Frage ist: Übernimmt Europa als Kontinent zukünftig eine Führungsrolle in der Raumfahrt oder überlässt es anderen das Feld? »Wir sind noch immer vorn dabei, aber wir dürfen jetzt nicht nachlassen«, warnt Krpoun.

Das Know-how ist da. Gerade die Schweiz hat hier eine Schlüsselfunktion. Sie ist Gründungsmitglied der ESA. Forschende der ETH und in Schweizer Unternehmen entwickeln Komponenten, die Errungenschaften wie das James Webb Space Telescope oder den Mars-Rover Perseverance ermöglichen. Der Vorteil der Schweiz: Das Land verfügt über hervorragende Technikausbildungen, eine starke Innovationskultur und hochspezialisierte Akteure, die dank ihrer geringen Grösse agil und anpassungsfähig sind.

Und »speed, speed, speed« brauche es jetzt, so die drei Experten. Die Eintrittshürden für Unternehmen verringern sich, denn Hightech wird erschwinglicher. Damit ist es höchste Zeit, sich zu überlegen, wie Weltraumtechnik mit anderen Industriebereichen verbunden werden kann. Zum Beispiel hinsichtlich Navigation, Energiegewinnung, Probenentnahme oder Ressourcenverbrauch – eine Astronautin verbraucht pro Tag acht Liter Wasser, ein Europäer durchschnittlich 144 Liter.

Die Notwendigkeit zur Symbiose ergibt sich nicht zuletzt aus drei grossen Herausforderungen, vor denen Europa steht. Erstens wäre da die Klimaveränderung. »Von der Erde aus ist es schwer, Kausalzusammenhänge zu sehen. Dafür brauchen wir den Weltraum«, sagt Zurbuchen. Die Klimaveränderung schafft lokale Probleme. »Diese Übersetzung vom Globalen zum Lokalen kann Weltraumtechnik leisten.« Zum Beispiel durch den Einsatz einer satellitenbasierten Bewässerungs-App, die Landwirten sagt, wo sie wieviel Wasser einsetzen sollen.

Zweitens erleben wir einen starken Anstieg an Technologien und Aktivitäten im Weltraum, sowohl von nationalen sowie zunehmend auch von privaten Akteuren. Das Weltraumrecht der Vereinten Nationen jedoch ist nicht bindend. »Wir dürfen das Feld nicht privaten Tech-Riesen überlassen, sondern müssen mit sinnvoller Regulierung Interessen und Werte schützen«, fordert Neuenschwander.

Drittens verwandelt sich die Kooperation nun in einen knallharten Wettbewerb. Bei aller schönen Wissenschaft ginge es am Ende doch um Ressourcen und Einfluss, so die Experten. Da sind Konflikte vorprogrammiert, gerade weil Weltraumtechnologie nicht mehr aus der modernen Kriegsführung wegzudenken ist.

Diesen drei Herausforderungen gilt es in Europa gemeinsam zu begegnen. Erste Schritte sind getan. Der neue Space Master der ETH soll jährlich rund 100 Absolvent:innen in Forschung und Industrie entlassen. Nun geht es darum, weitere Partnerschaften zu schliessen und Symbiosen zu finden.

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